Sind hohe Sonnenschutzfaktoren wirklich nötig?

Es gab Zeiten, da galt die vornehme Blässe als erstrebenswert. Braun waren nur die Arbeiter draußen auf dem Feld. Nach dem Prinzip an der Hand erkenne ich deinen Stand hielt sich das Ideal des weißen Frauenteints als Ausdruck gesellschaftlich hoher Stellung bis in die 20er-Jahre hinein. Wer eine weiße Haut hatte, konnte es sich offensichtlich leisten, nicht zu arbeiten. Diese Zeiten waren allerdings vorbei als Coco Chanel als erste Modedesignerin, gebräunte Haut als Trend und neues Schönheitsideal vermittelte. Hinzu kam der Reiseboom seit den 60er-Jahren. Wer es sich leisten konnte, fuhr in den sonnigen Süden, was von den Medien entsprechend unterstützt wurde. Der Sun Tan stand fortan als Indiz für Attraktivität, Erfolg sowie Gesundheit und hat sich bis heute hartnäckig gehalten. Mittlerweile weiß man aber längst, dass das neue Ideal auch seine Schattenseiten hat. Das Auftreten von Hautkrebs hat leider sehr dramatisch gezeigt, dass Bräunung immer ein Zeichen für die Schädigung der Haut ist. Sonnenschutz gewinnt daher immer mehr an Bedeutung.

Sonnengebräunte Haut oder noble Blässe - APOonline.at Gefährliche Sonnenschäden

Bei jedem Sonnenbrand werden die oberflächlichen Hautzellen zerstört, aber auch jene, die nicht absterben, erhalten einen Defekt an ihrem genetischen Material. Dieser Defekt kann durch körpereigene Enzyme bis zu einem gewissen Grad wieder repariert werden. Je schwerer der Schaden, desto mehr Defekte bleiben zurück und können dazu führen, dass Zellen entarten und sich unverhältnismäßig stark vermehren – ein sicheres Indiz für Hautkrebs.

Hautalterung durch Sonne

Nicht immer sind Sonnenstrahlen gleich krebsauslösend, Zellschäden verursachen sie aber in jedem Fall. Frühzeitige Zerstörung der Bindegewebsfasern und die Bildung von sehr vielen freien Sauerstoffradikalen führen nämlich zu frühzeitiger Hautalterung und Faltenbildung – keine Rede mehr von jugendlicher, gesunder, brauner Haut.

Eigenschutz verlängern

Wer der Sonne nicht ganz ausweichen will, kann mit Sonnenschutzmitteln die Eigenschutzzeit der Haut verlängern. Diese enthalten entweder chemische Filtersubstanzen, die Licht bestimmter Wellenlängen absorbieren, oder Mikropigmente wie Titan- oder Zinkoxid, die die Sonnenstrahlen durch Reflexion und Streuung abhalten. Die Schutzstärke der Sonnenschutzmittels wird als dessen Lichtschutzfaktor (LSF) angegeben und gibt Auskunft darüber, wie viel länger man sich in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, immer verglichen mit der Eigenschutzzeit der Haut ohne Sonnenschutzmittel.

Angegebenen LSF besser halbieren

Bei den angegebenen LSF ist allerdings zu beachten, dass diese sich immer auf die Strahlendosis bis zum Eintreten erster Anzeichen eines Sonnenbrandes beziehen. Allerdings ist schon eine deutlich darunter liegende Strahlendosis für ein erhöhtes Hautkrebsrisikoverantwortlich. Hinzu kommt, dass die Faktoren unter idealisierten experimentellen Bedingungen bestimmt wurden und im Labortest fast immer etwa doppelt so viel Sonnenschutzmittel wie in der Realität verwendet wird. Daher ist es ratsam, den für ein Sonnenschutzmittel angegebenen LSF vorsorglich zu halbieren, und immer ausreichend viel Sonnenschutzmittel zu verwenden. Sparen wäre hier ganz eindeutig an der falschen Stelle, nämlich auf Kosten der Gesundheit.

Repair-Enzyme gegen Sonnenschäden

Die meisten Sonnenschutzmittel schützen die Haut nur vor Sonnenschäden, können aber nichts gegen bereits entstandene Zellschäden ausrichten. Untersuchungen mit dem DNS-Reparatur-Enzym Photolyase haben aber gezeigt, dass es auch möglich ist sonnenverursachte Zellschäden tatsächlich zu reparieren. Repair-Enzyme werden bereits seit einiger Zeit sowohl in Sonnenschutzmitteln als auch in After-Sun Produkten eingesetzt. Sie können vor allem die durch UVB-Strahlung hervorgerufene vorzeitige und beschleunigte Alterung der Haut verhindern.