Persönlichkeit und Bewegung - Bewegungsanalyse (Methode Cary Rick)

  • Körperbewegung ist Handlung
  • Handlungen spiegeln Unbewusstes wider
  • Bewegungsanalyse fördert verborgene Handlungs- und Beziehungsfähigkeiten

Was ist Bewegungsanalyse?

Die Bewegungsanalyse setzt sich mit dem Zusammenhang von Persönlichkeit und Bewegung jenseits von Sprache auseinander. Jede Person verkörpert sich über Bewegung, wobei die persönliche Art und Weise, sich zu bewegen, meist wenig bewusst ist. Erfahrungen im Laufe unseres Beziehungs-Lebens prägen die individuelle Art und Weise sich zu bewegen. Es entwickelt sich ein persönliches Muster, ein individuelles Bewegungsrepertoire, wie der Körper von Moment zu Moment eingesetzt wird.

Bestimmte Bewegungen werden dabei bevorzugt, andere werden vermieden: Was bewege ich, was nicht, wie beziehe ich mich auf andere, wie stützt der Körper, welche Körperstellungen kommen vor, beuge/strecke ich Gliedmaßen, welches Tempo wähle ich, wie viel Kraft wende ich auf, bewege ich mich fort und wie...?

Die Bewegungsanalyse hilft, das eigene „Bewegungsmuster“ (das unbewusste Bild von sich Selbst) bewusst zu machen: Was tue ich bereits (wie setze ich meinem Körper ein) und was bleibt im Verborgenen (was ist mir in der Bewegung noch nicht selbstverständlich verfügbar). Das Gespräch stellt die Verbindung zum eigenen Erleben und Tun her.

Bewegungsanalyse- APOonline.at

Was geschieht in der Bewegungsanalyse?

Im sogenannten Bewegungsexperiment kann die Person spontan den eigenen Bewegungsimpulsen nachgehen (personenzentriert), das heißt diese zunächst wahrnehmen („was möchte „Körper“ tun“), um sie so ungehindert wie möglich umzusetzen. Im Themenzentrierten Setting setzt sich die Person mit vorgegebenen Bewegungsthemen auseinander. Gearbeitet wird mit einer, zwei oder einer Gruppe von Personen. Der/die BewegungsanalytikerIn erstellt anhand motorischer Kriterien mittels eigener Notation(Zeichen) ein Bewegungsprofil, das zur Diagnose und zur weiteren Intervention dient. Das Gespräch, das immer Teil der Bewegungsanalyse ist, ermöglicht das eigene Empfinden und Handeln zu reflektieren. Konflikte in der Einstellung zu sich, zum eigenen Körper und in Beziehung werden sichtbar und es kristallisiert sich heraus, was für Vorlieben die Person hat, bzw. was vielleicht im Verborgenen bleibt, also zurückgehalten wird.

In der Bewegungsanalyse entsteht also im Wechsel von nonverbaler Körperbewegung und verbaler Reflexion ein Entwicklungs- bzw. Lernprozess, in dem das vorhandene Handlungs- und Beziehungsrepertoire sowie die ungelebten persönlichen Ressourcen bewusst werden. Durch das Erproben neuer Bewegungen kommt es zu einem veränderten Selbst- und Beziehungsverständnis und neue Handlungsspielräume können sich eröffnen.

Seit Anfang der 1980er Jahre wird die Bewegungsanalyse in Wien, Deutschland und der Schweiz angeboten und im psychotherapeutischen, physiotherapeutischen und pädagogischen Bereich angewandt. Es arbeiten insgesamt etwa 200 BewegungsanalytikerInnen in Kindergärten, Schulen, Sonderschulen, Heimen, Werkstätten, Kliniken und Privatpraxen mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aller Altersstufen.