Aus allen hochentwickelten Kulturen der Antike ist uns die Anwendung ätherischer Öle überliefert. In Ägypten wurden sie 3000 v. Chr. bereits für medizinische und kosmetische Zwecke verwendet. Man desinfizierte, linderte Entzündungen und heilte Wunden. Gleichzeitig nutzte man die Öle als Parfum und Deodorant. Die Bürger mischten Myrrhe, Rosmarin und Thymian mit Talg und verteilten es auf ihren Körpern.

Die besonders kostbaren Öle waren den Pharaonen vorbehalten. Ätherische Öle hatten zudem eine große spirituelle Bedeutung. Man balsamierte die Körper der Verstorbenen mit Ölen aus Zedernholz, Zimt und Myrrhe ein, damit sie –so die Vorstellung der alten Ägypter- unversehrt ihre Reise in das Reich der Toten antreten konnten. Die starke antiseptische Wirkung der dabei verwendeten Öle und Harze sorgte dafür, dass noch nach Jahrtausenden das Gewebe der Einbalsamierten gut erhalten ist.

Aromatherapie

Die Ägypter verstanden sich auch bereits auf die Kunst der Massage und spezialisierten sich auf Hautpflege und Kosmetik. Ihr Wissen breitete sich auf den gesamten Mittelmeerraum und Richtung Vorderasien aus.

Die alten Römer, mehr auf sinnliche Genüsse, denn auf Spiritualität bedacht, benützten die ätherischen Öle vor allem als Bade-, Massage-, Parfum- und natürlich auch als Liebesdüfte. Allerdings ist auch überliefert, dass die Gladiatoren sich vor ihren Kämpfen mit Thymian einrieben, um ihren Mut und Siegeswillen zu stärken. In Stein gemeißelte Bilder aromatischer Pflanzen im jahrtausendealten Palast von Knossos auf Kreta lassen darauf schließen, dass auch in dieser Kultur Aromatherapie betrieben wurde.

Im Mittelalter brannten zum Schutz vor großen Seuchen reinigende Wacholderfeuer in den Städten, die „Schnäbel“ der Pestärzte enthielten neben duftenden Kräutern Myrrhe zum Schutz vor der tödlichen Krankheit. Aus dieser Zeit ist das Rezept eines Gesichtswassers überliefert, welches den Namen „Essig der 4 Diebe“ erhielt. Mit Hilfe dieses Duftwassers, mit dem vier Landstreicher Tücher tränkten und sich um den Kopf wickelten, gelang es ihnen, die von der Pest verseuchte Stadt Toulouse komplett auszuplündern, ohne sich anzustecken.

In Frankreich wurde Anfang des 20. Jahrhunderts das alte Wissen über ätherische Öle durch den berühmten Forscher Gattefossé wiederbelebt und jetzt erst mit dem Begriff „Aromatherapie“ versehen. Man entdeckte desinfizierende und antiseptische Wirkungen und begann intensive wissenschaftliche Forschungsarbeiten. Das Anwendungsspektrum der ätherischen Öle ist sehr vielseitig. Ihre Wirkung ist umfassend, sowohl heilend als auch vorbeugend, pflegend und verwöhnend.

Durch das zunehmende Interesse der Menschen an alternativen und natürlichen Heilmethoden hat die Aromatherapie mittlerweile einen festen Platz in der Naturheilkunde gefunden. Auch Arzneispezialitäten enthalten mittlerweile ätherische Öle (z.B. Lavendelöl in einem vielverwendetem Kapselpräparat gegen Bronchitis) oder deren Bestandteile (es gibt ein häufig verordnetes Präparat gegen Infektionen der ableitenden Harnwege).

Ätherische Öle werden besonders gerne auch zur Wohnraumaromatisierung, zur Überdeckung unangenehmer Gerüche, zur Insektenabwehr und als Mottenschutz verwendet. Aromabäder, Körper- und Massageöle, Hautpflegeprodukte und Haarshampoos mit ätherischen Ölen erfreuen sich heute der gleichen Beliebtheit wie bereits im alten Ägypten lange Zeit vor Christi Geburt.